Alles muss raus bei Möbel Alsdorff
Übriggebliebene Waren kommen unter den Hammer Versteigerungen laufen noch bis Montagabend
STADTMITTE. Das Möbelhaus Alsdorff an der Heinrich-Nordhoff-Straße schließt, die Restbestände an Möbeln kommen seit gestern unter den Hammer. Ernst Salge und Auktionator Günter Niemann sind auf Geschäftsauflösungen spezialisiert.
Günter Niemann hat sich schick gemacht: Der Auktionator trägt einen dunklen Anzug mit Krawatte, dazu einen schwarzen Zylinder. Flotte Sprüche gehören auch dazu: "Ich bin der Mann, der ihnen alles verkaufen kann." Weil trotzdem gerade nur fünf Kunden im Möbelhaus Alsdorff stehen, versucht er es mit Gesang. "Oh, wie ist das schön, sie wiederzusehn", trällert er zur Begrüßung eines Kunden. Der freut sich und fängt sofort an zu erzählen: "Weißt Du was, ich hab meine ersten Möbel hier im Laden gekauft!"
Der Kunde heißt Friedrich Möllmann und ist 83 Jahre alt. Er erinnert sich lebhaft an die Zeit, als die Geschäfte bei Alsdorff noch liefen. "1950 habe ich geheiratet, 1955 haben wir unsere erste Wohnung bezogen. Die Möbel haben wir hier gekauft." Sehr einfache Möbel seien es gewesen, sagt er. "Aber manchmal verliebt man sich in Möbel und dann kauft man sie. An sowas wie das, was jetzt hier steht, war damals ja nicht zu denken." Möllmann will nun die letzte Gelegenheit nutzen, bei Alsdorff einen Schreibtischstuhl zu kaufen.
Während Niemann weiter Möbel verkauft, ist auch der Organisator der Auktion, Ernst Salge, in Erzähllaune. Er habe in der Modebranche angefangen, sagt er. "Aber seit zwanzig Jahren mache ich nun Unternehmensauflösungen. Dabei lernt man interessante Menschen kennen, das ist phänomenal." Die Abwicklung von Alsdorff ist keine besondere Herausforderung für Salge: "Wir haben schon Häuser mit 20 000 Quadratmetern plattgemacht, das hier hat nur rund 2000."
Bis Montagabend um 22 Uhr versucht er zusammen mit Niemann, die Waren zu verkaufen. Außer Sofas und anderen Wohnzimmermöbeln gibt es noch Betten, Lattenroste und Schlafzimmerschränke.
Der Räumungsverkauf markiert das Ende einer harten Auseinandersetzung: Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger hatte das Gebäude kaufen wollen, um ein "KdF-Museum" einzurichten. Schließlich kaufte die Stadt das ehemalige Möbelhaus, um darin das Sozialkaufhaus Lichtblick und ein Zentrum für Demokratieförderung unterzubringen.













